Die MTG Mannheim feiert ein überaus erfolgreiches Wochenende bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund

Iris Manke-Reimers hatte eine gewisse Vorahnung. „Yemisi ist in einer tollen Verfassung“, hatte die Trainerin von Yemisi Ogunleye am Tag vor den Deutschen Meisterschaften in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle angekündigt. Sie sollte Recht behalten. Die Olympiasiegerin setzte gleich zu Beginn den Titelkämpfen die Krone auf. Die 27-jährige Athletin der MTG Mannheim lieferte mit 20,37 Metern den weitesten Stoß ihrer Karriere ab und setzte sich damit hinter Weltmeisterin Jessica Schilder (Niederlande; 20,49 m) auf Rang zwei der Weltjahresbestenliste. „Ich freue mich riesig“, jubelte die fünffache deutsche Meisterin. Vor Freude schlug sie auf der Kunststoffbahn neben dem Kugelstoßring ein Rad. Für die ehemalige Turnerin kein Problem!

„Ich hoffe, dass ich diese Form zur Hallen-WM nach Torun mitnehmen kann“, blickte sie voraus. Dort werden vier Athletinnen um drei Medaillen kämpfen: Weltmeisterin Schilder, Doppel-Hallen-Weltmeisterin Sarah Mitton (Kanda), Doppel-Weltmeisterin Chase Jackson (USA) – und Ogunleye.

„Ich denke, ich habe noch mehr drauf als das, was ich in Dortmund zeigen konnte. Natürlich möchte ich in Torun eine Medaille gewinnen“, sagte Ogunleye. Es wäre nach Glasgow, Rom, Paris und Appeldoorn ihr fünftes Edelmetall bei großen Titelkämpfen.

Am Samstag lieferten die MTG-Athleten eine richtige Leistungsgala ab. Innerhalb einer halben Stunde gab es gleich vier weitere Medaillen. Weitspringer Simon Batz sprang dem restlichen Feld weit voraus und holte mit starken 8,09 Metern seinen dritten deutschen Hallen-Titel. „Eigentlich wollte ich noch weiter springen, bin aber nach meiner Verletzung im Januar, als ich mir im Kraftraum die Schulter ausgekugelt hatte, doch froh über das Ergebnis.“ Zuletzt war sein Trainer Sebastian Bayer, Europa-Hallenrekordler, 2012 mit 8,12 Meter bei nationalen Titelkämpfen weiter gesprungen. „Ich sehe bei Simon durchaus Weiten zwischen 8,20 und 8,30 Meter, im Bereich des Möglichen“, betonte Bayer.

Einen weiteren Titel für die MTG heimste Stabhochspringerin Jacqueline Otchere (4,55 Meter) ein. Sie scheiterte erst bei einer neuen Bestleistung von 4,65 Metern. Die Athletin im Rock, ihr Alleinstellungsmerkmal, erlitt im vergangenen Sommer nach einem Bienenstich eine Infektion, die sie zu einem Krankenhausaufenthalt zwang. „Im Sommer bin ich noch an Krücken gegangen“, ist sie über ihr Comeback sehr froh.

Inmitten der Youngster Marlene Meier (Leverkusen; 7,92 Sek.) und Rosina Schneider (Sulz; 8,01 Sek.) lieferte Hürdensprinterin Ricarda Lobe von der MTG ein Klasse-Rennen ab. Die 31-Jährige steigerte nach neun Jahren ihre persönliche Bestleistung um vier Hundertstel auf 7,95Sekunden und holte somit Silber. „Diese Zeit macht mich schon ganz schön stolz“, strahlte Lobe hinter der Ziellinie, nachdem sie ihre 17. Medaille bei Deutschen Meisterschaften gewonnen hatte. „Ich werde laufen, solange es Spaß macht“, blickte Lobe motiviert nach vorn. Ein Geheimnis ihres Erfolgs: Sie fühle sich in ihrer vielseitigen Mannheimer Trainingsgruppe sehr wohl.

Für eine Überraschung sorgte Sprinterin Sina Kammerschmitt. Die 22-Jährige holte sich über 60 Meter hinter Philina Schwarz (Berlin Athletics; 7,18 Sek.), der Aufsteigerin des Jahres, die Silbermedaille in neuer Bestleistung von 7,21 Sekunden „Ich habe heute voll auf mich vertraut und ganz viel Spaß bei meinen Auftritten“, kommentierte der Schützling von Markus Triebert ihre drei Rennen. „Sina schickt sich an, die große Mannheimer Sprinttradition einer Verena Sailer, Alexandra Burghardt oder Nadine Gonska fortzusetzen“, stellte MTG-Sportchef Rüdiger Harksen zufrieden fest.

„Mehr als gut“, kommentierte Robin Ganter seine Titelverteidigung über 200 Meter in 21,01 Sekunden. Fast noch wertvoller erscheint die Bronzemedaille über 60 Meter in starken 6,57 Sekunden. „Ich bin somit in vier Jahren nacheinander mit einer Medaille von Deutschen Meisterschaften nach Hause gekommen“, bilanzierte Ganter seine Leistungen. „Ich bin sehr froh, dass es nach zwei Verletzungsjahren endlich wieder aufwärts geht“, war der Sprinter sichtlich erleichtert.

Im 60-Meter-Finale lagen die drei Medaillengewinner Owen Ansah (Hamburger SV; 6,55), Kevin Kranz (Wetzlar; 6,56) und Ganter (6,57) ganze zwei Hunderstel auseinander. Das gab es seit Jahren nicht im deutschen Männersprint.

Waren diese Medaillen aus MTG-Sicht keine Überraschung, sorgte Peter Osazee für einen großen Coup: Der Dreispringer sicherte sich mit neuer persönlicher Bestweite von 15,80 Metern den Titel – es war die achte Medaille und der fünfte Titel für die MTG. Die Mannheimerin Jessica-Bianca Wessolly (VfL Sindelfingen) gewann zudem Silber über 200 Meter in 23,60 Sekunden.

Quelle: Mannheimer Morgen vom 2. März 2026

Robin Ganter – neben Meister über 200 m noch 3. Platz über 60 m mit 6,57 Sekunden
Ricarda Lobe – 60 m Hürden – 2. Platz mit 7,95 Sekunden
Sina Kammerschmitt – 60 m – 2. Platz mit 7,21 Sekunden

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